Maschinenbau
und Produktion
1/2000

Zeitschrift des Freundeskreises Maschinenbau und Produktion Berliner Tor e. V.

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Werner-Baensch-Preisträger :

1. Erfolgreich mit Windkraft

Dipl.-Ing. Niels Findeisen

Durch Studium und Diplomarbeit ausgezeichnet für die Praxis gerüstet: Die regenerativen Energien prägen den Berufsweg von Dipl.-Ing. Findeisen

ist im Sommersemester 1993 für seine Diplomarbeit “Entwurf und Auslegung einer Plattform für eine 500-kW-Windkraftanlage unter Berücksichtigung der Richtlinien des Germanischen Lloyd” mit dem Werner-Baensch-Preis ausgezeichnet worden. Hier sein Bericht nach 8-jähriger Berufstätigkeit im gleichen Metier: 

Bereits gegen Ende meines Studiums hatte ich bei der 'Hanseatischen Aktiengesellschaft, Elektrizitätswerk- und Umwelttechnik'  den Einstieg in ein Unternehmen gefunden, das sich u. a. mit der Entwicklung einer 500-kW-Windkraftanlage beschäftigte. Zum damaligen Zeitpunkt zählten Windkraftanlagen dieser Größenordnung zu den Großen und wurden noch nicht in Serie gebaut. Es galt also Neuland zu beschreiten und das reizte mich, im Rahmen meiner Diplomarbeit dafür die Plattform unter Berücksichtigung der Richtlinien des Germanischen Lloyd zu entwerfen und auszulegen. Als Plattform bezeichneten wir das Bauteil zwischen Turm und Rotorsatz mit Getriebe, Generator und Bremsen, in dem praktisch alle Kräfte zusammengeführt und in den Turm weitergeleitet werden.

Nach dem OK des Germanischen Lloyds suchten wir - ich war inzwischen Angestellter des Unternehmens - einen Betrieb zur Fertigung der Stahlbauteile und zur Montage des Maschinenhauses. 1993 war es soweit,  der Prototyp mit der Bezeichnung ET500 wurde in Stohl (Kreis Eckernförde) aufgestellt und in Betrieb genommen. Die dabei gesammelten Erkenntnisse und Erfahrungen sollten nun in die anlaufende Serienfertigung einfließen. Zu meinen Aufgaben gehörte u. a. die Berechnung neuer Maschinenträger für verschiedene Getriebe mit etwas höherer Leistung, die Betreuung der Erstellung von Fertigungsunterlagen, Fertigungsüberwachung von Plattformen und Türmen, Typenprüfung für diese Windkraftanlage mit verschiedenen Türmen und Fundamenten.

Im Laufe meiner Berufstätigkeit konnte ich beobachten, wie die Windkraftenergie immer mehr Akzeptanz fand. Die Messen wandelten sich von ihrem ursprünglich 'familiären' Charakter zu richtigen Industriefachmessen mit sehr großer nationaler wie internationaler Resonanz. Zu den besonders interessanten Aufgaben meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit gehört sicher die Beratung der Regierungen in Kasachstan und Djibouti über Möglichkeiten der Windenergienutzung in ihren Ländern. Deren Interesse an regenerativer Energie begründet sich im Wesentlichen durch kürzere Planungs- und Bauphasen gegenüber konventionellen Anlagen zur Stromerzeugung und die unsichere Versorgung mit fossilen Brennstoffen. Vorrangig geht es darum, eine durchgehende Stromversorgung überhaupt sicherzustellen.

Das Studium an der Fachhochschule und die vorangegangene handwerkliche Ausbildung haben mich bestens für diese Aufgaben vorbereitet. Anfangs scheinbar unüberwindliche Probleme konnte ich jedenfalls immer irgendwie lösen. Meine berufliche Zukunft sehe ich nach wie vor im Bereich regenerativer Energien.

2. Königsdisziplin des Anlagenbaus

Dipl.-Ing. Olav Möller

Dipl.-Ing. Möller nennt den Kälteanlagenbau die "Königsdisziplin des Anlagenbaus"

wurde im Wintersemester 1993/94 mit dem Werner-Baensch-Preis ausgezeichnet. Das Thema seiner preisgekrönten Diplomarbeit lautete: “Optinierung einer Kälteanlage mit Wärmerückgewinnung eines Fleischwarenwerkes”. Auch für ihn war die Diplomarbeit richtungweisend für seine bisherige 7-jährige Berufstätigkeit. Lesen Sie seinen Bericht:

Das Hauptpraktikum während des Studiums war Wegbereiter für meinen bisherigen Berufsweg. Ich absolvierte es bei der Firma Stal Astra GmbH Kälteanlagen, Glinde. Diese Firma plant, konstruiert und baut Großindustriekälteanlagen mit dem Kältemittel NH3.

Projektabwicklung

Nach dem Studium wurde ich von der Firma übernommen und in der Auftragsabwicklung eingesetzt. Die Aufgabe in der Projektabwicklung beinhaltet die Planung, Konstruktion, Ausführung und die Kostenkontrolle in eigenverantwortlicher Arbeitsweise. Ich betreute Umbauten in der TK-Industrie, Erweiterungen bei Brauereien bis hin zu neuen Großanlagen, wie z.B. das Hochregallager Power Logistics, Fallingbostel, sowie große Citrus-Kühllager in Ägypten und eine Getränkekühlanlage von Pepsi-Cola in Jordanien. Die Firma Stal Astra wurde bereits innerhalb des ersten halben Jahres meiner Zugehörigkeit umstrukturiert und in den letzten sieben Jahren mehrfach umbenannt und verkauft.

Süddeutschland

Im Jahre 1995 wechselte ich in die Niederlassung Süd und trat eine neue Stelle als Projektingenieur an. Dabei war ich die Schnittstelle zwischen dem Außendienst und der Abwicklung. Die Aufgaben waren sehr vielfältig. Sie gingen von der technischen und preislichen Gestaltung der Angebote bis hin zum Verkauf und der nachfolgenden technischen und kaufmännischen Betreuung in der Auftragsabwicklung. Die Projektierung von Anlagen für die Chemie, Pharmazie, Lebens- und Getränkemittelindustrie, Molkereien und die Automobilindustrie waren mein tägliches Brot.

Aufgrund der Größe der Niederlassung und einer engen Zusammenarbeit mit dem Niederlassungsleiter war meine Tätigkeit nicht nur auf die Projektierung beschränkt, sondern ich lernte viele Tricks und das Verhandlungsgeschick für den Vertrieb. Zusätzlich erhielt ich ein Gespür für die Leitung einer Niederlassung mit der Vertretung nach Innen und Außen.

Vertrieb

Anfang 1999 wurde mir neben der Projektierung auch die Aufgabe des Vertriebsingenieurs übertragen. Nach der letzten Fusion im Sommer 1999 wechselte die Firma bereits zum sechsten Mal ihren Namen. Neue Strukturen sowie eine sich ständig ändernde Produktpalette bedeuteten, sich immer wieder selbst zu motivieren und einen neuen Bezug zum Unternehmen zu finden.

Internet

Für Industriekälteanlagen gibt es im Internet keine vernünftige Plattform, die Grundlagen, Spezialkenntnisse und ein Forum für den Interessierten bietet. Mein Wunsch ist es, auch im Anlagenbau eine “Open Source Politik” zu erreichen. Deswegen betreibe ich privat eine Homepage “Treffpunkt Kälte” (http://www.treffpunkt-kaelte.de). Ich wünsche mir, dass die Anlagenbauer und die Zulieferindustrie interessante Informationen dazu beitragen und sich an dem Diskussionsforum aktiv beteiligen. Ich werde dem Kälteanlagenbau als “Königsdisziplin des Anlagenbaus” weiterhin die Treue halten.

Fachbereich M+P