Maschinenbau
und Produktion
1/2000

Zeitschrift des Freundeskreises Maschinenbau und Produktion Berliner Tor e. V.

Home
Editorial
Firmenpräsentation
Gäste
CNC-Maschine
Spende
FH-Projekt
Gründung
NORTEC 2000
Arb.-wissenschaft
Shanghai
Bulgarien
Mobile Roboter
Hannover-Messe 2000
Toolmanagement
Arbeitsgruppe
Aktivitäten
Neuheiten
Preissträger
Auszeichnung
Teilzeitstudium
Absolventen
Portsmouth
Präsident
Ruhestand
Kolloquium
Rätsel
Wettbewerb
Neubau
Das Letzte

"Dreier-Gespanne" fördern Kommunikation zwischen Schule, Hochschule und Industrie

Schüler als “Shadowmen”

Dr. Jörg  Mutschler vom Vorstand des Landesverbandes Nord des VDMA

Die Gründe für die zurückgegangenen Studienanfängerzahlen in den technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen sind vielfältig. Ein wichtiger Grund ist aber auf jeden Fall das "Technik-Unverständnis" in der Öffentlichkeit. Bei näherer Betrachtung gibt es eigentlich keinen direkten Kommunikationsdraht für junge Menschen in der Prozesskette Elternhaus-Schule-Studium und Tätigkeit im Industriebetrieb. Den direkten Zugang zu dieser Prozesskette haben sich die "Gründungsväter der Dreier-Gespanne" als Aufgabe gestellt. Die Dreier-Gespanne bestehen jeweils aus einem engagierten Lehrer eines Gymnasiums, einem Hochschullehrer und einem ebenso engagierten Industrievertreter eines regional ansässigen Maschinenbau-Unternehmens. Auf der persönlichen Ebene "sprechen" die Vertreter des Dreier-Gespanns miteinander. Dies ist ein Novum, denn kaum eine Schule hat Kontakt zu  einer Fachhochschule/Universität, geschweige denn, zu einem Industrieunternehmen - und das, obwohl doch 70% der Schulabsolventen an genau diesen Hochschulen studieren und genau in diesen Industrieunternehmen ihre Fähigkeiten in ihrem Berufsleben umsetzen sollen.

Das Modell gilt der direkten Verständigung zwischen Schule, Hochschule und Industrie. Ziel ist die Durchführung von praktikablen Maßnahmen mit Kontinuität. Es soll möglich werden, dass jeder Schüler vor Beendigung seiner Schulzeit - und damit während der Entscheidungsfindung - für einen Studienwunsch direkten Kontakt zu einem Industriebetrieb bekommt und dass die Schülerinnen und Schüler wissen, welche Unternehmen in ihrem regionalen Umfeld produzieren, was sie produzieren und wofür sie produzieren. Das gilt ebenso für die Lehrer als Multiplikatoren. Allen Beteiligten wird dabei die enge Verzahnung in der Prozesskette Schule-Studium-Beruf deutlich. Das Verständnis für die Bedürfnisse des jeweils anderen wird erkennbar - man spricht die gleiche Sprache.

Zehn Dreier-Gespanne in Hamburg

Im Rahmen der ersten ThinkING Aktivitäten wurden zehn Dreier-Gespanne in Hamburg zusammengeführt. Nach einer ersten Kontaktaufnahme im Rahmen einer Auftaktveranstaltung wurden inzwischen die gesammelten Erfahrungen anläßlich zweier Austauschabende vorgestellt. Neben positiven Ansätzen und sehr intensiv gepflegten Kontakten untereinander konnten auch Schwierigkeiten in einigen Gruppen lokalisiert werden. Insbesondere die unterschiedlichen Zeithorizonte in Unternehmen und Schulen führten teilweise zu langfristigen Terminfindungen und damit zu einer "Verflachung" der oft spontanen Ideenfindung. Weiterhin zeigte sich, daß jede Gruppe einen "Treiber" braucht, der die unterschiedlichen Institutionen und Personen zusammen hält.

Beispielhafte Aktivitäten in den Dreier-Gespannen

Die jeweiligen Gruppenmitglieder haben sehr unterschiedliche Erfahrungen in ihren Gespannen machen können. So

    - wurde im Englischunterricht mit technischen Sicherheitsblättern von
      Flurförderzeugen gearbeitet,

    - haben Schüler als sog. Shadowmen einen Tag lang einen Ingenieur
      während eines ganz normalen Arbeitstages im Betrieb begleitet,

    - haben Schülergruppen vormittags die Labore der Hochschule besucht
      und am Nachmittag die dortige Theorie im
      Dreier-Gespann-Unternehmen praktisch erfahren,

    - hat ein Mathematik-Leistungskurs sich über die praktische
      Anwendung der Finite-Elemente-Methode vor Ort informiert,

    - hat eine Schule einen "Tag der Technik" mit Unterstützung der
      Hochschule und des Industriepartners durchgeführt,

    - gab es Probevorlesungen für Schüler an den Hochschulen und in den
      Laboren,

    - finden regelmäßig Vorträge der Firmenvertreter in den Schulen und
      während der Berufsfindungstage statt und vieles mehr.

Auftragsvergabe an die Schule

Ein neues Projekt soll zukünftig bei mindestens fünf Dreier-Gespannen verwirklicht werden, reale Industrieaufträge von Unternehmen an eine Schülergruppe der beteiligten Schule. Hier wird eine technische Problemstellung formuliert und mit Ziel- und Zeitvorgaben projektiert. Die Schüler haben die Aufgabe in Teams zu lösen, zu präsentieren und schriftlich niederzulegen. Hierbei sind nicht nur die fest vorgelegten Zeitpläne einzuhalten. Die klar formulierten Entgeltregelungen richten sich auch nach dem Erfolg des Projektes. Die Schülergruppen können dabei auf die Unterstützung der Hochschule und der Unternehmen zählen.

Momentan werden weitere Dreier-Gespanne in Hamburg, aber auch in Kiel, Hannover und Bremen gebildet. Ziel ist der dauerhafte und sinnvolle Kontakt  von Schülern mit realer Technik.

Fachbereich M+P