Maschinenbau
und Produktion
1/2000

Zeitschrift des Freundeskreises Maschinenbau und Produktion Berliner Tor e. V.

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Exponat auf der Hannover-Messe 2000

Spezialisten werden hellhörig:

Rußsonde und Meßverfahren erfunden

Exponat auf der Hannover-Messe 2000

Der Leitspruch in der Entwicklung von Verbrennungsmotoren lautet nach wie vor: "Effizienz und Umweltverträglichkeit". Um die Problematik dieser Anforderungen zu verdeutlichen, wird als Beispiel ein weit verbreiteter abgasturboaufgeladener Dieselmotor mit Direkteinspritzung (als TDI, CDI usw. bekannt) ausgewählt. Bei diesem Motor erfolgt derzeit die Motorsteuerung meist basierend auf den einmalig gespeicherten Kennfeldern. Da die Motorsteuerung nur kennfeldbasierend erfolgt, gibt es keine Möglichkeit, die Steuerung veränderten Betriebsbedingungen (Verschleiß oder Fehlfunktion verschiedener Bauteile, andere Kraftstoffqualität usw.) anzupassen.

Die kontinuierliche Bestimmung des Rußgehaltes bzw. der Rußpartikelkonzentration am laufenden Fahrzeug ("on board"), die einerseits Rückmeldung über die Güte der Gemischbildung und die Vollständigkeit der Verbrennung und andererseits Auskunft über das Emissionsniveau geben kann, wäre eine Möglichkeit, diese Motoren nicht nur zu steuern sondern auch im geschlossenen Kreis zu regeln. Um diesen Wunsch aller Motoren- und Fahrzeug-Entwickler zu erfüllen, hat Professor Dr.-Ing. Victor Gheorghiu eine Rußsonde und ein Meßverfahren erfunden und patentiert. Im Prinzip ist die Rußsonde wie eine übliche Zündkerze für Ottomotoren gebaut. Die Mittelelektrode und die Masseelektrode sind in Bezug auf die Abgasströmungsrichtung positionierbar, und die Mittelelektrode ist beheizbar. Das Messverfahren zur schnellen Erfassung der Partikelkonzentration in strömenden und ruhenden Gasen besteht darin, das Minimalniveau der zwischen den Elektroden angelegten elektrischen Spannung, bei dem noch ständig Funken auftreten, als Maß für die Ruß- und Partikelkonzentration zu verwenden. Eine besondere Eigenschaft dieser Erfindung ist, dass die Sonde in dem eingesetzten Meßverfahren sehr wenig elektrische Energie benötigt.

Sonde:   Einsatz der Rußsonde

Steuergerät:  Entwicklungskit am Motorprüfstand

Mehrere Konstruktionsvarianten der Rußsonde und des dazu passenden Steuergerätes wurden in den letzten zwei Jahren mit Hilfe des Laborassistenten Dipl.-Ing. S. Prust und des Elektronikers Dipl.-Ing. A. Schuster realisiert. Mit diesen Sonden und Steuergeräten haben Dipl.-Ing. J. Rath und Dipl.-Ing. K. Westendorf im Rahmen ihrer Diplomarbeiten drei Prüfstände aufgebaut und unzählige Prüfstandsversuche durchgeführt. Darüber hinaus haben sie unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. V. Gheorghiu und Dipl.-Ing. S. Prust und mit Unterstützung der zentralen Laborwerkstatt ein lauffähiges Modell realisiert und als Exponat auf der Hannover-Messe 2000 vorgestellt.

Als Applikationssystem für die Entwicklung des im Steuergerät ablaufenden Echtzeitprogramms wurde das Produkt MARC der Firma AFT Atlas Fahrzeugtechnik GmbH, Werdohl, verwendet. Die Firma AFT hat kostenlos neben MARC auch das universal einsetzbare Steuergerät PROST zur Verfügung gestellt.

Die Teilnahme an der Hannover-Messe 2000 war ein voller Erfolg. Das Exponat hat insbesondere die Aufmerksamkeit der Spezialisten erweckt. Einige Firmen haben den Erfinder schon eingeladen, die Rußsonde und das Steuergerät auf den eigenen Motorprüfständen zu testen. Im Erfolgsfall sind weitere Kooperationen in Sicht.

Zur Zeit werden die Sonde und das Messverfahren weiter optimiert, neue Varianten wurden konzipiert und warten darauf, verwirklicht zu werden.

Prof. Dr. Victor Gheorghiu lehrt die Fächer Kolbenmaschinen, Technische Thermodynamik und Strömungslehre, er war bereits 1999 mit einem Exponat auf der Hannover-Messe vertreten

Fachbereich M+P