Maschinenbau
und Produktion
1/2000

Zeitschrift des Freundeskreises Maschinenbau und Produktion Berliner Tor e. V.

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Konzeption eines Teilzeitstudiengangs

Konzeption eines Teilzeitstudiengangs

Seit einigen Jahren ist zu beobachten, daß sich das Studierverhalten der Studentinnen und Studenten ändert: Der über lange Zeit vorherrschende Typus des "klassischen Vollzeitstudierenden", der seine Zeit und Aufmerksamkeit ausschließlich dem Studium widmete, nimmt seit einigen Jahren zahlenmäßig ab. Mit einem neuen Teilzeitstudiengang will der Fachbereich Maschinenbau und Produktion dem veränderten Studierverhalten Rechnung tragen, welches durch eine Kombination von Studium einerseits  und Erwerbstätigkeit oder Erfüllung von Familienpflichten andererseits gekennzeichnet ist. Damit wird eine Empfehlung des Wissenschaftsrats zur Hochschulentwicklung durch Teilzeitstudium aus dem Jahre 1998 aufgegriffen.

Der neue Teilzeitstudiengang ist geplant für

1. Studierende, die in einem dualen Studiengang kombiniert mit dem Studium eine praktische Ausbildung in einem Unternehmen absolvieren,

2. Studierende mit vorangegangener Berufsausbildung, die bereits berufstätig sind und sich durch ein Teilzeitstudium weiterqualifizieren wollen,

3. Studierende mit Familienpflichten,

4. Studierende, die aufgrund einer unzureichenden Studienfinanzierung eine auf das Studium ausgerichtete Erwerbstätigkeit neben dem Studium aufnehmen.

Die Studierenden der hier aufgeführten Gruppen 1 bis 4 sollen gemeinsam den Teilzeitstudiengang absolvieren. Der Aufbau des Teilzeitstudiums - nach gegenwärtigem Planungsstand - wird hier für den dualen Studiengang erläutert, da für diesen die meisten Einschränkungen zu beachten sind.

Im dualen Studiengang erhält der Studierende parallel zum Studium eine praktische Ausbildung in einem Unternehmen. Zu diesem Zweck schließt er mit dem Unternehmen einen Vertrag ab. Nach Möglichkeit werden neben der Vorpraxis auch Bestandteile des Studiums wie Hauptpraktikum, Konstruktionsarbeiten, Studienarbeit und Diplomarbeit im Unternehmen durchgeführt. Durch seine Tätigkeit im Unternehmen kann der Studierende gleichzeitig seinen Lebensunterhalt finanzieren.

Die Regelstudiendauer soll zehn Semester betragen. Das Studium bis zum Vordiplom mit einem Umfang von 90 Semesterwochenstunden dauert fünf Semester. In dieser Zeit besucht der Studierende an drei Tagen pro Woche Lehrveranstaltungen an der Fachhochschule und arbeitet an zwei Tagen pro Woche im Unternehmen. Das Hauptstudium mit einem Umfang von 80 Semesterwochenstunden erstreckt sich über weitere fünf Semester. Nun besucht der Studierende an 2,5 Tagen Lehrveranstaltungen an der Fachhochschule, die restlichen 2,5 Tage pro Woche ist er im Unternehmen tätig. In der vorlesungsfreien Zeit arbeitet der Studierende im Unternehmen bzw. nimmt den in der Branche üblichen Jahresurlaub.

Etwa 50 % der Arbeitszeit im Unternehmen bleiben von den studienbegleitenden Arbeiten unberührt und können uneingeschränkt im Interesse des Unternehmens genutzt werden. Damit ist es dem Unternehmen möglich, einen zukünftigen Absolventen frühzeitig einzuarbeiten. Gleichzeitig kann das Unternehmen Einfluss auf ein zielgerichtetes Studium nehmen.

Für diejenigen Teilzeitstudierenden, die kein duales Studium absolvieren, kann sich wegen der unterschiedlichen Tätigkeiten neben dem Studium ggf. eine längere Studiendauer ergeben. Auch für diese Studierenden besteht die Möglichkeit, während der vorlesungsfreien Zeit das Hauptpraktikum abzuleisten sowie Konstruktionsarbeiten, Studienarbeit und Diplomarbeit anzufertigen.

 

Eine Arbeitsgruppe ist seit Juli 1999 mit der Konzeption eines dualen Studiengangs (parallele Ausbildung in einem Betrieb und in der Fachhochschule) befasst. Dieser soll gleichzeitig als Teilzeitstudiengang dem dem ohnehin von vielen Studenten praktizierten Studierverhalten Rechnung tragen

Prof. Dr.-Ing. Uwe Sievers (Prodekan), Autor dieses Beitrags, ist Mitglied der Arbeitsgruppe "Dualer Studiengang/Teilzeitstudiengang"

Fachbereich M+P