Maschinenbau
und Produktion
1/2000

Zeitschrift des Freundeskreises Maschinenbau und Produktion Berliner Tor e. V.

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Toolmanagement

Toolmanagement, eine moderne Dienstleistung für Produktionsbetriebe

Der Trend zur Dienstleistungsgesellschaft macht auch vor den Werkstoren der Werkzeug- und Maschinenfabrik FETTE nicht halt. Seit Jahren bietet FETTE bereits  - neben dem modernen Werkzeugprogramm für die metallverarbeitende Industrie -  auch den Schleifservice zum Aufbereiten verschlissener Werkzeuge an. Die Werkzeuge werden direkt bei den Kunden abgeholt, dann in einem der regionalen Schleifzentren geschärft, mit einer Verschleißschutzschicht beschichtet und nach sehr kurzer Zeit wieder im Neuzustand bei den Kunden abgeliefert.

Seit gut einem Jahr jedoch bietet FETTE seinen Kunden wesentlich mehr: Toolmanagement heißt die neue Dienstleistung.

Der Toolmanager übernimmt eigenverantwortlich die komplette Werkzeugversorgung eines Unternehmens. Dazu gehören folgende Aktivitäten:

    § Engineering, d.h. Ermittlung des optimalen Werkzeugbedarfs beim Kunden.

    § Lieferung sämtlicher Werkzeuge, die der Kunde benötigt, geliefert werden auch
         Werkzeugausführungen, die FETTE gar nicht im eigenen Programm hat. Diese
         müssen von Sub-Lieferanten zugekauft werden.

    § Werkzeuglagerung vor Ort (beim Kunden).

    § Werkzeugtransport zu den Produktionsmaschinen.

    § Werkzeuginstandhaltung:  Reparieren, Schärfen, Wiederbeschichten und
          Voreinstellen.

    § Werkzeugoptimierung zur permanenten Senkung der Fertigungskosten beim
         Kunden.

Voraussetzung für diese anspruchsvolle und sehr verantwortungsvolle Tätigkeit (die Produktion beim Kunden darf nicht zum Stillstand kommen, nur weil einige Werkzeuge nicht rechtzeitig vor Ort sind) ist eine partnerschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit des Toolmanagers mit seinen Kunden.

Um eine schnelle und sichere Werkzeugversorgung zu gewährleisten, muß der Toolmanager nicht nur ein eigenes Werkzeuglager direkt auf dem Werksgelände des Kunden (oder unmittelbar vor den Werkstoren) einrichten, sondern dort auch Maschinen und Personal für die Werkzeuginstandhaltung und die Logistik vorhalten.

Zur Werkzeugversorgung einer Motorenfertigungslinie eines Automobilherstellers mit einer Produktionsleistung von 500.000 Motoren pro Jahr benötigt der Toolmanager ca. 30 Mitarbeiter sowie diverse Schleifmaschinen, Werkzeugvoreinstellgeräte, eine Beschichtungsanlage und Transporteinrichtungen.

 

Welchen Nutzen hat nun ein Produktionsbetrieb vom Toolmanagement ?

  • Der Betrieb spart Personal- und Maschinenressourcen zur Werkzeugversorgung und kann diese zur Stärkung seiner sogenannten Kernkompetenz nutzen. Die Kernkompetenz z. B. einer Motorenfertigung besteht in der wirtschaftlichen Fertigung moderner Motoren. Sie besteht nicht in der Logistik und Instandhaltung von Betriebsmitteln, z. B. von Fräswerkzeugen oder Schleifscheiben.
  • Der Betrieb kann außerdem seine Investitionskosten bzw. seine Kapitalkosten reduzieren oder diese Einsparung für sein Kerngeschäft nutzen.
  • Der Betrieb hat für die gesamte Werkzeugversorgung nur noch einen kompetenten Ansprechpartner, den Toolmanager, der als ”General Supplier” fungiert. Bisher musste das Unternehmen zeitaufwendig mit vielen Lieferanten verhandeln.
  • Und vor allen Dingen: Die Kernkompetenz des Toolmanagers besteht in der Werkzeugtechnik. Damit sind konzentrierte Rationalisierungserfolge in einem Produktionsbetrieb aus erster Hand gewährleistet.

Der Ingenieur als Toolmanager muß die Aufgaben eines ”kleinen Unternehmers” erfüllen.

Welche Chancen ergeben sich für eine(n) junge(n) Diplom-Ingenieur(in) durch diese neue Dienstleistung ?

Für Fachhochschulabsolventen der Fachrichtung Maschinenbau oder Produktionstechnik ergibt sich ein ganz neues und vielfältiges Tätigkeitsgebiet, welches zusätzliche Qualifikationsanforderungen beinhaltet. Neben grundlegendem Ingenieurswissen aus Werkzeug- und Fertigungstechnik werden

    - Organisationsfähigkeit (Managementbegabung),

    - Verhandlungsgeschick im Umgang mit Kunden und Sub-Lieferanten,

    - betriebswirtschaftliches Wissen (Kostenrechnung, Ausarbeitung von
      Angeboten),

    - Kenntnisse in der Verfassung von Dienstleistungsverträgen,

    - gute Englisch-Kenntnisse und

    - Bereitschaft zum Wohnortwechsel

gefordert.

Dr.-Ing. Diethard Thomas, Autor des Beitrags, ist Spartenleiter Zerspanungswerkzeuge bei der Wilhelm Fette GmbH, Schwarzenbek. Er ist Vorsitzender des Vorstandes des Freundeskreises Maschinenbau und Produktion.

Fachbereich M+P