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CapSanSchiff

Als Assi auf der Cap San Marco - 1968

Von Antwerpen nach Santos (1)
(… Teneriffa)

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am 7. August 1968, 1430

Heute früh um 800 haben wir in Antwerpen abgelegt. Zur Zeit befinden wir uns noch auf der Schelde. Leider ist das Wetter diesig, so daß nicht viel zu sehen ist.

Videoclip

Ausfahrt Antwerpen

Schleuse, Lotsenwechsel
4,6 MB

Wir törnen wieder mal kräftig zu (d.h.Überstunden machen) Heute früh 6 h statt 4. Jetzt habe ich nur Manöverbereitschaft (solange das Schiff noch nicht auf hoher See ist, müssen mehr Leute für die Maschine zur Verfügung stehen als sonst). Manöver heißt: noch viel Betriebsänderungen.

An meine Schicht habe ich mich doch noch nicht so ganz gewöhnt. Wenn man um 2000 fertig ist, kommt man vor 2100 oder noch später doch nicht zum Schlafen. Um 330 ist dann Wecken. Von 400 bis 700 muß ich mich dann immer furchtbar zusammenreißen, um überhaupt die Augen offen zu halten. Um 800 hört die Schicht offiziell auf, aber es sollen wohl jetzt immer 2 h für Reparaturzwecke zugetörnt werden. Tagsüber möchte man dann gerne schlafen, aber dann kommen die Essenszeiten dazwischen, so daß man nur wach herumliegt.

Wie wir heute bei der Ausfahrt in der Schleuse lagen, kam im Maschinenraum jede Menge Wasser herunter. Woher es kam, wissen wir. Es war wohl Schmutzwasser. Wir konnten das aber nicht absperren und standen also unter einer Schmutzwasserdusche. Inzwischen hat das aber wieder aufgehört.

Gestern habe ich vor lauter Müdigkeit einigen Mist gebaut. Ich sollte den Steuerbordtank fluten, bis das Schiff (es hatte durch die Ladung Schlagseite) gerade lag. Natürlich habe ich die Ventile zu spät geschlossen und mußte die Pumpen anstellen und den Tank lenzen.Dabei vergaß ich, eine Leitung, die beim Füllen der Pumpe hilft, zu schließen. Dadurch floß das Wasser nicht außenbords, sondern in die Bilge.

Gleichzeitig wurde ich dann durch ein häßliches klatschendes Geräusch aufgeschreckt: ich hatte eine Kanne unter den Hahn für Zylinderöl gestellt und einlaufen lassen. Dann vergaß ich das, weil noch etwas anderes nebenher zu tun war. Auch das Öl landete in der Bilge. Nur, leider mußte ich drumherum alles sauber machen. Überhaupt: gleich nach den Ventilen kommt Öl in den verschiedensten Farben und Zähigkeiten. Alles ist glitschig und schmierig, so daß man beim Laufen und vor allem beim Treppensteigen schwer aufpassen muß, daß man nicht stürzt.

Anlassluftbehaelter + Kuehlwasserpumpe

Anlassluftbehälter (l), Kühlwasserpumpe (r)
 
Zwei Luftbehälter müssen ständig unter Druck stehen, da die Hauptmaschine nur mit dieser Druckluft gestartet werden kann.

 
9.8., 1245

Was ist die Hauptsache bei einer Rohrleitung? Das Loch zum Durchfließen! Mehrere Tage haben wir –nicht ausschließlich, aber nebenbei– am Seewasserverdampfer gearbeitet und haben ihn nicht zum Laufen gebracht, bis Reger, ein anderer Assi, herausfand, daß in der Flanschverbindung ein Holzpfropen war!

Bis jetzt sind wir durch die Biscaya gefahren, ohne besonderen Wind. Die Wolken sind schwach, die Sonne scheint herrlich. Langsam wird es wärmer

Peildeck
 
Peildeck
Blick achteraus
 
Blick vom Peildeck achteraus

Wir, Offiziersanwärter und Offiziere, dürfen das Peildeck benutzen, das ist praktisch das Dach vom Schiff. Leider haben wir nicht viel davon, weil laufend "zugetörnt" wird.

Das Frigen ist aus der Kühlanlage heraus, jedenfalls weitgehend, und muß nun neu eingefüllt werden.

Putzen

Inzwischen geht die Wache auch einigermaßen klar. Zuerst hatte ich etwas Angst vor den Separatoren, die "eingeschossen" werden müssen, die Bilge wurde nicht rechtzeitig gelenzt usw. — Mario, der zweite Wachgänger, Argentinier, ist zwar eifrig, wird aber leicht wild. Gestern Abend fand er, 10 Minuten vor Wachschluß, noch eine Lache Zylinderöl aus einem übergelaufenen Eimer. Das ist dickes, schwarzes Öl. Er wurde so wütend, daß er den Sack zum Aufwischen mit dem Besen so in das Öl schlug, daß es spritzte. Dadurch wurden er und ich von oben bis unten schwarz besprenkelt.

Gestern holte mich der Zweite herauf, damit ich mir springende Tümmler ansehen konnte. Die mindestens 1 Zentner schweren Tiere sprangen ganz elegant aus dem Wasser, immer vorne am Bug.

Typisches Aufwischen
[Irgendeinen Grund wird es wohl gehabt
haben, dass wir so große Säcke
verwendeten]
Zylinderdeckel

Wenn man oben auf der Maschine steht und entlang den Zylinderköpfen sieht, sieht man, wie sie sich durch den Verbrennungsdruck anheben! Die Deckel sehen dann aus wie eine Seeschlange.

Bewegung der Zylinderdeckel
Reparatur Hilfsdiesel
Separatoren
Einspritzpumpen
Reparatur eines Hilfsdiesels Separatoren schießen Einspritzpumpen
 
Harry Creplin
am Schaltschrank
Anweisung
II. Ing. Harry Creplin Zuschalten eines Hilfsdiesels
Vorsicht! Schwarzes Licht droht
 
[Die Aufnahmen entstanden natürlich während der Freiwache]
 
am 10.8.68

Im Laufe der Zeit habe ich schon eine Menge Püffe und Beulen abbekommen. Am rechten Hüftknochen wird die blaue Verfärbung wohl gelb sein, wenn ich wieder zu Hause bin. Das war der Knebel vom Rad, mit dem die Einspritzung gesteuert wird..

Eben bekam ich ein Pflaster auf mein Schienenbein, weil ich eine Andrehkurbel draufgeknallt bekam. Wir haben jeden Sonnabend die Rettungsboote zu untersuchen und die Motoren anzulassen. Dabei ist das passiert. Auf dem Schiff ist eine Kabine als richtiges Hospital eingerichtet.

Heute früh mußte ich die Süßölpumpe konservieren. Süßöl ist das Öl, was wir für die Margarinehersteller usw. auf dem Rückweg transportieren. Die Pumpe steht in einem etwa 6 m tiefen Schacht, der so ranzig und nach Schwefelwasserstoff riecht, daß einem richtig schlecht werden kann. Da stand ich dann über einer offenen Luke an der Pumpe, unter mir noch einmal 6 m bis zum Tankboden. Ich fand das nicht übermäßig angenehm.

Natürlich war das in der Zutörnzeit, die Rettungsbootgeschichte auch. Heute komme ich wieder auf 11 Stunden. Du glaubst gar nicht, wie ich mich auf den morgigen Sonntag freue, da brauche ich nur meine 8 Stunden Schicht zu arbeiten!

Das Meer hat eine unwahrscheinlich blaue Farbe. Das Schiff fährt, bis auf seine eigene Längsschwingung, ruhig, denn wir haben u.a. viel Eisen in den untersten Laderäumen. Das stabilisiert.

Sonne schiessen
Hier wird "die Sonne geschossen",
also der Standort des Schiffes bestimmt
auf der Bruecke
Auf der Brücke
(aus den Filmaufnahmen)

Videoclip

Auf See

5,9 MB

Heute war ich auf der Brücke und habe zugesehen. Die Schiffe fahren ja heute mit automatischer Steuerung. Da wird die gewünschte Kompaßrichtung eingestellt und das Schiff hält seinen Kurs selbst.

Wenn eine Dampfkolbenpume gegen ein geschlossenes Ventil arbeitet, so kann man von Glück sagen, wenn nur die Manometer zum Teufel gehen. (das haben wir heute Nacht ausprobiert). Man muß halt Zylinder und Kolben mit genügend großem Spiel bauen.

Im Maschinenraum sind bis jetzt erst 32°C. An manchen Stellen, so bei der Abgasssammelleitung, sind gut und gerne 40 - 50°C.

Heute Nacht haben wir die Kühlanlage entlüftet. Das Schiff hat viele Kühl-Laderäume, die mit einer großen Kältemittelanlage betrieben werden. Ab Montag wird ein Kühlkompressor auseinander genommen.

Trotz aller Arbeit wird auch mal ein Klönschnack geführt. Gestern haben wir zu Dritt eine Flasche Whisky geleert (der Zweite, Mario und ich).

 
am 11.8., 1030 Ortszeit

Denkste! 1 Stunde vor Wachschluß fing der Spülluftkanal an zu brennen.

Damit war der Sonntag schon weniger frei. Wir fuhren mit halber Fahrt weiter, damit der Kolben nicht fraß. Etwa nach 1 h war das Feuer ausgebrannt. Du mußt dir das nun nicht vorstellen mit Feuerlöscher und so weiter. Das war ein Feuer in der Maschine (Ansaugleitung). Wir mußten nur dafür sorgen, daß die herausfliegenden Funken nichts in Brand setzten.

Nun fahren wir wieder voll voraus. In Kürze muß Teneriffa (also die Canarischen Inseln) zu sehen sein.

Videoclip

Freiwache

5,9 MB

Jetzt machen wir (der Zweite und ich) doch Sonntag, sitzen auf dem Peildeck und lassen uns von der sehr hohen Sonne brennen. Ich habe meinen neuen Panama-Strohhut auf (aus Bremen). - Durch die Schichtarbeit verliert man jeden Zeitbegriff. Geschlafen wird irgendwann zwischendurch.

Obwohl man stunden- und tagelang nichts wie Wasser sieht, wird die Fahrt überhaupt nicht langweilig. Die kurze Zeit, die zur Verfügung steht, nutzt man aus, um auf die See zu gucken. Das Meer ist unbeschreiblich blau, mit weißen Schaumkronen. Das Schiff wiegt sich leicht in der Dünung. Wenn man nach achtern sieht, wandert der Horizont nach oben, nach unten, legt sich schräg oder ist auch mal verschwunden. Die Eisenladung läßt das Schiff sehr stabil schwimmen.

 
2100 Ortszeit

Heute sind wir das erste Mal geschwommen. Das Wasser ist sehr salzig und trägt enorm, es brennt kräftig in den Augen....

PAUSE
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