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CapSanSchiff

Als Assi auf der Cap San Marco - 1968

Von Antwerpen nach Santos (2)
(Teneriffa …)

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am 12.8., 1135 Ortszeit

Ja, getrunken wird hier viel. Von Cola über Bier zum Whisky und Gin in sämtlichen Mischungen.

Teneriffa war doll. So riesig hatte ich mir die Berge nicht vorgestellt.  —   Gestern Abend war ich noch auf dem Peildeck. Man kann die Sterne wegen der klaren Luft viel heller und deutlicher sehen! Die Milchstraße ist ganz hell.

zwei Kaeltekompressoren
Zwei Kältemaschinen

In der Maschine beginnt der trouble mit der Kühlanlage. Heute mußte ich 3 Stunden zutörnen (also insgesamt 11 Stunden). Als ich eben unter die Brause ging, fragten die anderen "schon Feierabend?". Wir reißen den einen Kältekompressor auseinander, um ihn für die Rückreise zu überholen (9 Zylinder!). Es ist schon verdammt heiß hier, aber alle Leute sagen, das Richtige kommt erst noch.

Die Arbeitszeit der Assistenten ist 7 x 8 = 56 Stunden. Im Vertrag steht, daß bis zu 90 Stunden pro Woche ohne zusätzliche Bezahlung bzw. in Sonderfälllen bis zu 120 Stunden (pro Woche!) geleistet werden müssen. Nun haben die Chiefs das Gefühl, daß sie der Reederei nachweisen müssen, wie fleißig sie sind.

Eben habe ich in der Zeitung von dem Flugzeugunglück bei München gelesen. Da bin ich doch froh, daß ich auf dem Schiff bin. Allerdings haben wir weit über 4.000 m Wassertiefe, das ist mehr als der Großglockner hoch ist!

 
Antwerpen - Santos 13.8., 2015 Ortszeit

Wenn ich irgendwo in der Maschine stecke, passiert auch etwas. Heute früh ist das Wasserstandsglas vom Abhitzekessel geplatzt. Hei, das gab einen Knall!

Gestern habe ich es tatsächlich geschafft, die Kälteanlage durcheinander zu bringen. Der Kompressor soff ab (voller Frigen), dabei vereist er dann kräftig. Ich hatte die Fahrweise der Anlage verbessern wollen und bin dabei bös auf den Bauch gefallen. Das hat viel Bier (Katastrophenbier) gekostet.

Heute haben Creplin und ich uns wieder gewagt, etwas an der Anlage zu ändern. Das klappte, na sagen wir mal einigermaßen. Wir müssen das Zeug ja kennen, wenn wir Frischfleisch von Argentinien nach Europa fahren wollen (Frischfleisch, das bei genau 27° Fahrenheit gefahren werden muß, nicht Gefrierfleisch).

In der letzten Nacht ging es mir schlecht, ich konnte nicht schlafen, wurde überdies zur falschen Zeit (2330) erneut hochgerissen, weil einer dachte, ich sei schon mit der Wache dran.

die Cap Verden im Dunst

Der Dienst um 400 war eine Strafe. Dann Zutörnen bis 1130, Kältekompressor auseinandergenommen. Ich war heute Mittag völlig fertig. Dazu die Tropenhitze! Wir haben am Fahrstand 35° C. An anderen Stellen, vor allem auf meiner Kältestation, ist es viel wärmer. Das Seewasser hat hier 24°C.

Gestern, am 12.8, 1200: Greenwich: 22° 17′  N, 19° 53′  W.

Heute fuhren wir an den Cap Verdischen Inseln vorbei. Sie tauchten wie eine Fata Morgana aus dem Dunst. Der erloschene Krater ist 2.800 m hoch, letzter Ausbruch: 1857. Wir rechnen damit, am Montag oder Dienstag (19. oder 20.8.) in Santos zu sein.

In der Maschine war eine entsetzliche Hitze. Ich habe die ersten fliegenden Fische gesehen, aber mich kann im Moment nichts mehr beeindrucken. Wir trinken literweise und müssen kaum aufs Klo. Es geht alles durch die Haut. Heute wurde der sonst salzige Schweiß geschmacklos. Nun essen wir Salztabletten.

Zutörnen gehört zum täglichen Brot. Heute habe ich vier Kolben am Kompressor wieder eingesetzt. Langsam beginne ich, die Kälteanlage zu verstehen. Ich hatte einige gefragt, warum für die Rückleitung jeder Kammer drei Ventile (zwei blaue und ein rotes) vorhanden sind. Antwort: blau ist rot und grün ist gelb, aber gelb ist lila! Nun habe ich das aber auch so hingefixt.

Morgens um 350 bin ich in der Maschine (8-830 Frühstück) bis ca. 1130, Duschen bis 1150, 1200 Schwimmen , 1220 Essen. Schlafen bis 1500, dann Kaffeetrinken. 1550 in die Maschine bis 2000. Bis 2100 gammelt man etwas (außer Duschen).

[zwischen 12 und 1230 durfte die Mannschaft schwimmen, da waren die Passagiere beim Essen]

Wir haben Schweißtücher bekommen, damit unser Wasser nicht in das Öl kommt.

Rohrleitungen fuer Kaeltemittel
Blau ist Grün und Rot ist Gelb!

Inzwischen habe ich mich wieder einigermaßen gefangen, obwohl die Offiziere sagen, ich sehe "etwas angegriffen" aus. Übrigens weiß ich jetzt auch, was ein "roter Hund" ist, trotz der Lifebuoy-Seife, die mir der Zweite abgab.

Unser Schiff fährt zur Zeit 17,66 Knoten. Ich empfinde das als ganz schöne Geschwindigkeit (ca. 32…33 km/h). Heute Mittag im Schwimmbad sah es so aus als hätten wir keinen Schatten mehr, da die Sonne senkrecht über uns stand. Das Seewasser hat zur Zeit 26° C. Das merken wir in der Maschine!

Heute mußten wir wieder Schweröl wegwischen, weil ein Ablauf langsamer funktionierte als ein Zulauf. Wir reden nur noch von der Butter- und der Haferflockenleitung. Zur Zeit fahren wir das Klima für sich, die Haferflocken auf Plus und die Butter auf minus (Du siehst, blau ist grün und rot ist gelb). Ich bin zwar müde und erschlagen, aber noch recht aufgedreht. Ich werde trotzdem in die Koje jumpen.

 
15.8., 2030 Ortszeit

Heute früh haben wir unsere Arbeitskleidung gekocht und danach ausgewaschen.

die Arbeitskleidung wird gewaschen
Leerbild

In Kürze geht es über den Äquator.
An Bord ist alles irgendwie aufgedreht.
Ich habe den Zweiten und den Schmierer,
der mit uns Wache geht, eingeladen,
aber der Schmierer ist schon verabredet.

Der Kompressor ist wieder zusammengebaut.
Morgen früh wollen wir Probelauf machen.
Und jetzt kommt das große Äquatorbegießen.
Äquatortaufen gibt es bei dieser Reederei nicht mehr,
nur ein Zeugnis, daß man drübergefahren ist.
Gute Nacht!

16.8., 1140 Ortszeit

Die Stunden werden immer weiter zurückgedreht. Das bedeutet bei einer Stunde Zeitverstellung,
daß jede der drei Wachen 20 Minuten länger arbeitet und 40 Minuten länger schläft.
Auf dem Rückweg ist es umgekehrt.

Heute früh haben wir den Jumbo, den Kältekompressor, angeworfen.
Er kam aber nur einmal, dann fiel alles Kälte-Elektrische aus,
die Pumpen, alle Kompressoren und so weiter.
Nun, das andere haben wir wieder in die Reihe bekommen, nur Jumbo nicht.
Später stellte sich heraus, daß der noch an irgendeiner anderen Stelle einen Hauptschalter hatte.

Zugetörnt habe ich wenig, nur bis 1030.
Dabei habe ich mit Reger die Kieselgelfüllung
des Trockners ausgewechselt.

Nun sind wir schon bald vor Brasilien.Mir kommt das gar nicht so weit vor. Das mag an der Arbeit liegen. Aber wirklich, so groß erscheint einem die Welt nicht mehr. Alles ist gespannt auf Santos. Dabei ist es aber nicht ausgeschlossen, daß wir mehrere Tage vor Santos auf Reede liegen werden.

Andere Leute sind viel mehr angeschlagen als ich. Der Blitz liegt zum Beispiel mit Angina im Bett.

Heute kam der Auftrag von der Brücke, im Laderaum II die Lüfter anzuschalten. Hoster, der Motorenwärter (dritter Wachgänger von uns), ging in die Schaltwarte und schaltete ein. Erst einige Stunden später bemerkten wir, daß wir nicht die Luke II, sondern die Luke I belüfteten. –  Man erzählt sich auch hier die Geschichte von dem Schiff, das in zwei getrennten Laderäumen Traktoren und Gefrierfleisch transportierte. Als man am Zielhafen ankam, waren die Traktoren eingefroren und das Fleisch vergammelt.

Gottesfinger auf Fernando de Noronha Gottesfinger auf Fernando de Noronha

Heute früh kamen wir an der Insel Fernando da Noronha vorbei, auf der ein spitzer Berg ist [Morro do Pico], der von den Seeleuten Gottesfinger genannt wird. Zuerst dachte ich, es sei ein Riesen-Leuchtturm.

Archipel Fernando de Noronha, Brasilien, Morro do Pico
[Dieses Bild fand ich im Harenberg-Reisekalender 2007]
Bild: Bernd Jonkmanns
Mit frdl. Genehmigung des Fotografen
 
Sonnabend, 17.8.68, 1430

Was bin ich froh, daß heute nicht zutörnen mußte. Ich habe mich um 900 in die Koje gelegt und bis jetzt durchgeschlafen, dabei auf das Mittagessen verzichtet. Das ist nicht schlimm, weil die Mahlzeiten so reichlich sind und ich praktisch jederzeit mir etwas nehmen könnte. Gleich gibt es Kaffee mit Brötchen oder Kuchen. Das Essen ist überhaupt eine Wucht. Morgens, Mittags, Abends warm! Fleisch und Eier in Mengen.

Wir befinden uns jetzt schon vor der Küste von Brasilien auf der Höhe von Recife.
Heutiger Stand um 1430 Greenwich: 9° 17′ S, 34° 51′  W, Geschwindigkeit 16,7 Knoten (Gegenwind).
Hier regnet es alle paar Minuten. Das kann sich auf die Hafenliegezeit ungünstig auswirken.

Auf See Auf See Auf See
Auf See Auf See Auf See
 
Sonntag, 18.8.68, 910Ortszeit

Zweiter Seesonntag! Übermorgen früh soll endgültig Santos erreicht sein. Du glaubst nicht, wie alles dem Seemannshafen entgegenfiebert. Es war für mich leicht, eine Nachtschicht zu bekommen, da die anderen ihre Nachtschicht an Land verbringen wollen.

Übrigens, wenn nicht zugetörnt wird, ist die Arbeit gar nicht so schlimm.

 
19.8.68, 1230Ortszeit

Der Kältekompressor ist auseinandergenommen. Zur Zeit wird die Ölpumpe erneuert.

Heute wurden 5 Düsen vom Hauptmotor ausgewechselt. Dazu wird die Maschine abgestellt. Das Schiff treibt dann nur noch, auf geht’s mit zehn Mann ran. 10 … 15 Minuten braucht man dazu, wenn alles gut geht. Bevor wieder gestartet wird, wird alles mit Druckluft durchgeblasen. Da meint man, das Trommelfell würde einem platzen. Ein irrsinniger Pfeifknallkrach ist das.

Einer von unserer Maschinenwache hat sich mit Angina (39° Fieber) ins Bett gelegt und alle anderen bitten "Gott, laß uns nicht vor Santos krank werden!" Santos ist der siebente Himmel der Südamerika-Fahrer.

Übrigens haben wir eine ganze Reihe von Nicht-Seeleuten an Bord, Schüler und Studenten, die –wie ich– ihre Ferien auf dem Schiff als Seeleute verbringen. Heute mußten sie Drahtseile mit Altöl einschmieren. Sie konnten die Seile nicht weit genug von sich forthalten.

Einoelen von Drahtseilen

Den einen oder anderen, ganz sicher den zweiten Ingenieur, werdet Ihr in Hamburg auch kennenlernen.

Obwohl ich heute wieder 3 Stunden zugetörnt habe, bin ich nicht so schlapp wie sonst. Das mag einerseits an der Eingewöhnung, andererseits am Klima liegen. Die heißesten Tage der Hinfahrt sind vorbeil

Ankunft Santos! Zwölf Tage werden wir auf der Reede liegen!

nach Santos
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