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CapSanSchiff

Als Assi auf der Cap San Marco - 1968

Buenos Aires

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Santos — Buenos Aires, 28.8.68, 2100 Ortszeit

Jetzt sind wir wieder auf See und wollen Freitag Abend in Buenos Aires sein. Das sind dann gegenüber dem Fahrplan genau 7 Tage Verspätung, also weniger als es vor Santos zu werden schien.

Gestern war ich noch einmal kurz in Santos, aber wir hatten nur wenig Zeit (man ist immer müde und mal muß man ja auch schlafen). Als wir zurück kamen, setzten wir uns noch auf ein Gläschen zum 2. Ing..

Ausgesprochen kindisch erscheint mir das Spiel mit den Minuspunkten (so was hatten wir früher bei den Pfadfindern). Jedesmal, wenn ein Vorgesetzter in irgendeiner Weise ein Mißfallen an einem Offizier äußert, droht er, im Bericht an die Reederei Minuspunkte zu geben. Das wird so sehr (auch bei den Decksoffizieren) übertrieben, daß es in meinen Augen direkt lächerlich wirkt.

 
29.8.68, 2020 Ortszeit

Wir haben die Uhr wieder eine Stunde zurückgestellt, so daß insgesamt 5 h Unterschied vorliegen. Seit Santos habe ich wieder einen zweiten Mann in der Kammer, einen Überarbeiter. Er kam mit voller Pfadfinderuniform an Bord, auch mit Gitarre. Na, Du weißt ja, wie ich früher. Wir haben gestern Abend noch alle zusammengesessen, geklönt und gesungen.

Mir ist in der Nacht – nach der kalten gebratenen Ente – dermaßen schlecht gewesen, daß ich mich übergeben mußte. Das hat sich aber offenbar völlig wieder gegeben.

Der 2. Ingenieur wollte immer einen Schnitt durch das Schiff mit dem Kühlsystem zeichnen. Weil das nicht klappte und ich die Kühlanlage immer noch nicht verstand, habe ich das jetzt alleine getan. Jetzt endlich ist mir das meiste klar geworden.

Über den weiteren Fahrtverlauf herrscht noch keine Klarheit. Da uns ein "Cap San"–Schiff überholt hat und deswegen viel von unserer Ladung in Buenos Aires selbst übernimmt, werden wir weniger bekommen. Darum ist es nicht ausgeschlossen, daß wir außer Santos auf dem Rückweg noch einen weiteren Hafen, z.B. Bahia, anlaufen. Ich bin gespannt, wie und wann wir zu Hause sind. Eines ist sicher: das Schiff ist zum 28. September bei der Werft in Hamburg angemeldet. Der Termin wird wohl kaum überschritten.

Eisenbahnfaehre auf dem La Plata  
Auf dem La Plate begegnet uns eine Eisenbahnfähre
das Bild stammt aus dem Film
 
30.8.68, 945 Ortszeit

Jetzt schipppern wir den La Plata hinauf. Montevideo war zu sehen. Es hat tatsächlich einen einzelnen Berg. Das Wasser vom La Plata ist schmutzig–braun. Das Wasser hat 14°, die Luft 16° C. Es ist also merklich frisch. Der Fluß ist sehr breit. Vorläufig sind die Ufer nur ab und zu zu sehen. Wir werden gegen 1800 dort sein.

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Buenos Aires, 1.9.68, 1430
Cap San Marco im Hafen von Buenos Aires  
Cap San Marco im Hafen von Buenos Aires
man sieht ihr die Wartezeit auf der Reede von Santos an
am gegenueberliegenden Kai liegt die Cap San Augustin  
Am gegenüberliegenden Kai liegt die Cap San Augustin
Cap San Augustin im Hafen von Buenos Aires  
Cap San Augustin im Hafen von Buenos Aires

Buenos Aires hat mich bisher auf ganz besondere Art beeindruckt: Da gibt es den Film "Das Schweigen" von Ingmar Bergmann. Der spielt in einer fremden, ehemals reichen und nun zerfallenden Stadt. Gestern bin ich alleine stundenlang durch die Stadt gebummelt. Oft habe ich mich einfach hingestellt und alles auf mich einwirken lassen. Hier gibt es sogar auf den Hauptstraßen die tiefsten Schlaglöcher. Es ist, als ob eine reiche Stadt (und das war B’Aires) mit einem Schlage aufhört zu leben. Ich kam durch verfallende Straßen. Ein Bahnhof, innen mit den modernsten Zügen, außen eine einfallende Fassade.

Der Fernbahnhof (?)  
Dies war, meiner Erinnerung nach, der Fernbahnhof

Dann war ich beim Friseur. Das war unheimlich nett, darüber erzähle ich Euch zu Hause. Nur eines: so war das bei uns vor 40 Jahren. Die U–Bahn wurde um 1920 gebaut und ist noch immer im selben Zustand!

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Buenos Aires, Montag, 2.9.68, 330

Die Menschen hier auf dem Schiff sind nun 5 Wochen zusammen und können sich nicht aus dem Wege gehen. Das führt zu manchen Unstimmigkeiten, die an Land gar nicht erst ans Tageslicht kommen würden. Eben bin ich an der Offiziersmesse vorbeigekommen, sie sieht aus wie nach einer Explosion. Irgendjemand hat im Suff alles herrlich durcheinander gebracht. Überhaupt, was an Bord und in den Häfen an Alkohol verkonsumiert wird, … Ich könnte beim besten Willen in 1 Woche nicht schaffen, was manche an 1 Abend verputzen. Jeder für sich ist nach wie vor ein reizender Mensch.

Soweit man hier die spanischen Zeitungen versteht, scheint der Westen jetzt aufzurüsten (das Abendblatt erreicht uns hier nicht).

Gestern war ich noch in Buenos Aires. Ich kam durch gepflegtere Gegenden im Zentrum, wo es Geschäftsstraßen gibt wie in Hamburg oder Düsseldorf. Wir fuhren mit dem Bus: Die Fahrer halten kaum an. Wenn nur ein Fahrgast da steht, so muß er schon auf den langsam rollenden Bus aufspringen. Dann fahren sie weiter, steuern mit der linken Hand, kassieren und wechseln das Geld mit der rechten. Über sich haben sie einen Riesenspiegel, reich mit Blumen verziert, wie überhaupt alles hier etwas verschnörkelt ist. Verkehrsregeln? Konnte ich nicht erkennen. Auch bei den Taxifahrern nicht. Es ist noch viel toller als in Brasilien. Dafür wird hier überall kräftig gehupt.

Strasse in Buenos Aires Strasse in Buenos Aires

Zur Zeit laufen nur die Hilfsdiesel und die Sch…–Gamlen–Pumpen. Dieses Gamlen–Zeugs ist ein Lösungsmittel, das die Ablagerungen in den Luftkühlern wegputzen soll. Dauernd besteht die Gefahr, daß die Pumpe abwirft oder der Schlauch platzt.

 
2.9.2100
Flaschenbäume

Eben komme ich von einem längeren Stadtbummel mit Icke zurück. Es gibt hier Flaschenbäume, die in Argentinien "Betrunkene" genannt werden. Wir kamen durch bessere Viertel, aber auch durch einfachste und Wellblechbuden [La Boca}. 6 Stunden sind wir gelaufen und nun todmüde. Das ging heute nur wegen des für mich günstigen Schichtwechsels.

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B’Aires, am 4.9.68

Mein erster Eindruck von B’Aires war ja sehr negativ. Er ist jetzt doch schon besser. Es ist eine Riesenstadt (eigentliches Kerngebiet 4 Millionen, Randgebiet nochmals 4 Millionen Einwohner). Am Sonntag waren wir zu Fuß bis zum Flughafen gegangen, dann in die Stadt gefahren zum Abendessen. Am Montag hatte ich Schichtwechsel und dadurch viel Zeit. Ich habe mit Icke einen großen Spaziergang zur Boca gemacht (Hochbrücke usw.) und dann zurück zum Obelisken. Das war eine stundenweiter Weg.

Buenso Aires, Hafengebiet Buenso Aires, Hafengebiet
Hafengebiet, wahrscheinlich bei der Hochbrücke

In der Maschine ist die Stimmung, vorsichtig gesagt, nervös. Heute früh klappte das Lenzen vom Süßtank nicht. Dann wurde ein Ventil aufgemacht, das gar nicht dazu gehörte, mit einem Male klappte es. Vorher gab es aber deswegen einen Aufstand bis zum Kapitän!

Seit heute haben wir das berühmte Chilled Beef in der Kühlkammer III Steuerbord und alles tanzt wie auf Eiern um die 27° Fahrenheit Einblasetemperatur (–2,8° C). Jetzt muß ich meinen Stundenzettel noch einmal schreiben, dann geht es ins Bett.

Laden von Chilled Beef Laden von Chilled Beef
"Chilled beef" wird geladen. Es ist Pferdefleisch

Videoclip

Auf dem La Plata
Buenos Aires
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7,8 MB

Morgen fahren wir also wieder nach Santos, dann nach Bahia (das heißt auf manchen Atlanten auch SAN SALVADOR und liegt etwa auf der Ecke von Brasilien, furchtbar heiß).

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