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Als Assi auf der Cap San Marco - 1968

Santos auf der Rückfahrt

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Buenos Aires - Santos, 6.9.68, 1400 Ortszeit

Langsam wird alles wieder ruhiger. Für einen Schiffsbetrieb ist der Hafenaufenthalt immer aufregend und nervös. Jeder versucht, so viel wie möglich noch an Land zu erledigen. Gleichzeitig werden die anfallenden Arbeiten unregelmäßig und bringen die Wache durcheinander.

Gestern gegen 1730 ging es raus aus B’Aires. Inzwischen sind wir schon wieder an Monte Video vorbei und schippern auf dem Atlantik nach Norden. Wir haben 5 Kühlkammern voll Ladung, die alle richtig gekühlt werden wollen. Da ist zunächst das berüchtigre "chilled beef", also gekühltes (nicht gefrorenes!) Fleisch, das genau bei 27° Fahrenheit (–2,8° C) gehalten werden muß. Da muß man ganz schön aufpassen, weil die Temperaturen ganz gerne weglaufen.

Was meinst Du, wie ich mich gewundert habe: das chilled beef in der Kühlkammer IV Steuerbord ist PFERDEFLEISCH. Da blieb mir die Spucke weg. Daß sich das lohnen soll! Es handelt sich ja fast um die teuerste Fracht wegen der empfindlichen Kühlung. In Luke II Steuerbord unten sind Hasen, die auf –18° C kommen sollen. Da sie mit ca –5° C angeliefert wurden, wird es noch ein paar Tage dauern, bis die Temperatur gehalten werden kann.

Kurz nach dem Auslaufen bekamen wir trouble mit der Brennstoffeinspritzpumpe Nr. 9. Sie begann zu haken, und da kam alles auf die Beine. Dadurch mußte ich noch länger auf der Wache bleiben. Gottseidank ging alles noch einmal gut, denn ein Pumpenwechsel hätte 2 Stunden gedauert.

 
am 7.9.68, 1130 Ortszeit

Die Temperaturen II Stb. unten bleiben einfach nicht stehen, schwankten hin und her. Ich wollte einen Decksoffizier, der für die Kühlkammern zuständig ist, fragen, warum das so sei. O je! Ihr hättet unseren Zweiten sehen sollen. "Das machen wir erst einmal unter uns ab!"

Na, dann sind wir, in dicke Pelzjacken eingepackt, in die Kältekammern gekrochen. Dort sind immerhin –20° C. Der Fehler war leicht gefunden: es handelte sich um ein Thermometer, das nicht richtig befestigt war. Es schaukelte hin und her, war mal im kalten Luftstrom, mal nicht, und das machte schon eine Menge aus.

Blick vom Backdeck nach achtern
 
Blick vom Gang auf dem Backdeck nach achtern

Da ich auch am Tage schlafe, habe ich nur wenige Stunden oder halbe Stunden, an denen ich an Deck bin. Diese kurzen Augenblicke sind so wunderschön, daß ich gar nicht verstehe, daß die anderen das als selbstverständlich nehmen. Die Abenddämmerung oder zur Zeit der Vollmond, dem eine breite silberne Bahn auf dem Wasser folgt, dann die Sterne, das ist etwas herrliches.

Im Augenblick fahren wir so, daß wir die Küste mit dem Fernglas recht gut sehen können. Vornan sind hohe Dünen, manchmal mit einsamen Leuchttürmen, dann kommen Berge wie bei Santos und Rio. Wir befinden uns etwa auf der Höhe von Porto Allegre und sollen morgen gegen 500 vor Santos sein. Hoffentlich müssen wir dort nicht zu lange liegen.

 
8.9.68, 1315 Ortszeit

Um 400 kamen wir vor Santos an. Diese Reede ist einmalig schön. Ich habe zwar noch nichts davon gehabt, doch will ich nachher aufs Peildeck gehen. Bis zum Mittag habe ich erst einmal geschlafen.

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Santos, MIttwoch, 11.9.68, 1100

Es ist kaum zu glauben! Am Montag fangen die Vorlesungen in der Ingenieurschule an, und wir liegen immer noch auf der Reede von Santos. Vom Einlaufen spricht schon niemand mehr. Das kann in 10 Minuten sein oder in 10 Tagen!

Jetzt fangen die Überstunden wieder an, weil die Kühlanlage auf vollen Touren läuft. Gestern war ziemliche Aufregung, weil ein Kompressor voll Kältemittel gelaufen ("abgesoffen") war und zwar, weil ich beim Abschalten das Druckventil nicht geschlossen hatte.

Langsam wird’s heiß hier. Man muß die Leute vorsichtig ansprechen, weil sie alle gereizt sind. Die einen, weil sie Santos sehen… und nicht können. Die anderen, weil sie nach Hause wollen. Man sagte mir, daß diese Reise überdurchschnittlich lang sei. Sonst würde der Fahrplan immer eingehalten.

Für die Arbeit in der Maschine während der Reise durch die Tropen hatte ich mir eine kurze Hose in Bremen gekauft. 7 Tage etwa habe ich sie getragen, dann über den 2. Ing. zum Wäscher-Max geschmuggelt. Als ich sie sauber wieder bekam, waren die Taschen weggefressen von der Waschlauge! So geht es natürlich der ganzen Kleidung.

Heute habe ich mir den Spaß erlaubt und bin in full dress zum ersten Mal mit der Khakijacke in der Messe erschienen. Das gab einen Aufstand! Jetzt beginnen wieder die Parolen, wann wir nach Santos kommen. Der wahrscheinlichste Tag ist wohl Dienstag. Die Liegezeit im Hafen soll nur kurz sein, ca. 2 Tage und dann geht’s nach Bahia.

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Santos, 13.9.68, 1445

In einer Stunde muß ich zur Wache. Vorher soll dieser Brief noch raus.

Ich fürchte, daß mich der Chief jetzt vollkommen abgeschrieben hat. Icke und ich haben den Landgang um 2½ Stunden überschritten. Der Chief stand in der Gangway und sagte nicht einmal "guten Tag". Ich habe mir, Du glaubst es kaum, eine gewisse Schnoddrigkeit angewöhnt, es ist mir alles egal. – Ein kleines bißchen blau bin ich auch.

Icke und ich waren seit 900 unterwegs.

Wir haben eine Wanderung in die Stadt unternommen. Dann haben wir eine Taxe gemietet und sind durch alle Viertel gefahren. Schließlich sind wir mit dem Bus nach Sao Vincente. Vorher hatten wir uns völlig mit dem Bus verfahren und trauten uns kaum, an der Endstation auszusteigen, so trübe sah es dort aus. Aber dann habe ich doch dort gefilmt.

Santos Blick auf das Fort
 
Hafeneinfahrt, Blick auf das Fort
Icke am Strand von Santos
 
Icke am Strand von Santos
in der Stadt
 
Straßenbild
bei der BusEndstation
bei der Bus-Endstation
Die Bruecke von Sao Vicente
 
Die Brücke von Sao Vicente
Blick von der Bruecke von Sao Vicente
 
Blick von der Brücke von Sao Vicente
Festessen

Bei der Brücke haben wir uns was zu essen gegönnt. Fische und Krebse. Es war nicht billig, aber mit Stil.

Am Vormittag tranken wir zwei Kaffee und 1 Kaipirinja. Dazu suchten wir uns herrliches Gebäck aus. Mit Genuß biß ich in ein Makronentörtchen… es war ein schreckliches Fischgebäck! Die überbackene Birne war auch keine Birne, sondern eine ungenießbare Fischfettmehlkrautmasse! So verlebten wir einen kernigen Vormittag, hätten beinahe Peles Haus gefilmt (leider vergessen) und stoßen uns vor die Brust, d.h. es ist uns scheißegal, was der Alte denkt.

Meine eigenen Arbeiten führe ich nach Möglichkeit korrekt aus. Alles andere ist mir Wurst.

Wenn der heutige Film etwas geworden ist, dann ist er eine Wucht. Ich habe mich in Santos mit dem Teleobjektiv an eine Straßenecke gestellt und gefilmt.

Videoclip

Santos
Ausfahrt über Santos Reede

9,9 MB

Wenn es nicht weiter regnet, fahren wir morgen,
am 14.9., nach Bahia.

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