kaspar-sickermann haw-hamburg Department M+P
Kooperative Gesamtschule Stuhr-Brinkum

Kernenergie, regenerative Energien
und damit zusammenhängende Fragen

1. Entwicklung des Energieverbrauchs in der Welt

2000
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1.1 Energieflussbild für Deutschland

Vor mir liegt das Energieflussbild der Bundesrepublik Deutschland von 1995. Es zeigt in farbigen Bändern die jeweiligen Energieanteile vom Energieaufkommen über die Umwandlung bis hin zur Anwendung in PJ (Petajoule), bezogen auf das ganze Jahr.
(1 PJ = 1015Ws = ca. 280.000.000 kWh)

Ich habe mir dieses Bild aus der Ablage geholt, weil es vor Jahren meine Studenten völlig überrascht hatte. Sie hatten auf Grund der Diskussion in den Medien, die bevorzugt über Alternativenergien berichten, für diese einen vielfach höheren Anteil erwartet.

Ihr solltet euch mal das Vergnügen machen, auf diesem "Gleisplan" hin und her zu fahren und zu studieren, woher und wohin die Energie fließt. Anschließend möchte ich euch auf der linken Seite (Energieaufkommen = Primärenergie) ein bisschen führen:

Primaerenergie vollstaendiges Energieflussbild
Primärenergie vollständiges Energieflussbild
[381 K!]

Da wird zunächst unterschieden zwischen erschöpflicher und unerschöpflicher (= alternativer?) Energie. Bitte überprüft die Primärenergie:

erschöpfliche Energie 15.266 PJ
unerschöpfliche Energie 89 PJ

Noch schlimmer: Von diesen 89 PJ stammen 77 PJ aus Wasserkraft, die wir schon seit Jahrhunderten nutzen und in dieser Größenordnung schon seit Jahrzehnten (1979, alte Bundesländer: 76 PJ). Das heißt:

Die übrigen Energiespeicher und Energiequellen (Erde, Wasser, Luft und Solarstrahlung) haben einen Anteil am Primärenergieaufkommen von 12 PJ, das sind 0,78 x 10-3 (0,78 Promille) der gesamten Primärenergie in Deutschland !

Ich rechne damit, dass euch diese Zusammenhänge so nicht bekannt sind. Sie sind aber die Grundlage jeder ehrlichen Diskussion über Energie. Dieses prinzipielle Übergewicht der erschöpflichen Energie lässt sich in absehbarer Zeit nicht ändern, selbst wenn wir die Alternativenergien verzehnfachen (ohne Wasserkraft, das geht nämlich nicht) und außerdem 10...20 % des gesamten Energieverbrauchs einsparen würden (dies ist schon nicht mal realistisch).

In der Welt insgesamt sieht es im Prinzip gleich aus, mit einigen Schwerpunktverschiebungen:

  • Frankreich hat einen höheren Anteil an Kernenergie,
  • Norwegen hat praktisch keine Kohle, aber Wasserkraft,
  • China verfeuert mehr Kohle,
  • in den heißen Ländern wird nicht geheizt, aber in überproportional zunehmendem Maße gekühlt, und zwar ganzjährig,
  • die USA haben ein noch größeres Einsparpotential als wir, aber die Amerikaner selbst sehen das ganz anders, usw.
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1.2 Weltenergieverbrauch und Weltbevölkerung

Ihr solltet euch noch weiter mit Zahlen auseinandersetzen:

Wir leben in einem nur kleinen Teil der Welt. Weltweit ist die Entwicklung des Energieverbrauchs dramatisch, abhängig vom Bevölkerungswachstum, aber auch vom Nachholbedarf der weniger technisierten Länder. Studiert die beiden Diagramme:

Welt-Energie, -Bevoelkerung, CO2 Welt-Energieverbrauch pro Kopf und Jahr
Welt-Energieverbrauch,
Weltbevölkerung,
CO2-Emissionen
Welt-Energieverbrauch
pro Kopf und Jahr

Und dann klickt euch mal bei der Bevölkerungsuhr (zurück auf diese Seite hier den "Zurück"-Knopf im Menü des Browsers benutzen) Stand vom 05.11.1999,15:00 ein. Dort könnt ihr das Diagramm über die Weltbevölkerung überprüfen. Die absolute Zahl ist schon beeindruckend genug. Ihr solltet das aber mehrfach ablesen, z.B. nach einem oder zwei Tagen wiederholen, Zeitpunkt und Zahl protokollieren. Oder aber mit dem Kalender der Bevölkerungsuhr experimentieren! Das Ergebnis hat selbst mich, der schon seit vielen Jahren über die Bevölkerungsexplosion redet, umgeworfen. Wenn ich richtig gerechnet habe (bitte überprüfen), dann haben wir in jeder Stunde 9.240, das sind
fast 10.000, Menschen mehr auf der Erde!

Das ist nicht die Geburtenrate, sondern die Differenz zwischen Geburten- und Sterberate!

Wenn ihr diese Zahlen ausgewertet habt, werdet ihr zur Erkenntnis gelangen, wie sehr

  • trotz allen Energiesparens der Energieverbrauch weiter zunehmen wird, besonders in den Ländern, die zur Zeit pro Kopf noch sehr wenig verbrauchen.
  • die Belastung der Umwelt, besonders der Atmosphäre, durch diesen Energieverbrauch ebenfalls zunimmt,
  • die verfügbaren Vorräte der "erschöpflichen Energie" abnehmen, allerdings in unterschiedlicher Geschwindigkeit für die einzelnen Energieträger. Das ist ebenfalls klar (auch wenn ich das hier nicht diskutiert habe).
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1.3 Folgerungen

Wer sich länger mit diesen Fragen beschäftigt, erkennt sehr schnell, wie dramatisch diese Entwicklung ist, wenn nicht gegengesteuert wird. Was ist zu tun?

  • Die allererste Forderung hat weder mit Solarzellen, noch mit Kernenergie oder überhaupt direkt mit Energie zu tun:
    Das Wachstum der Erdbevölkerung muss gebremst werden. Wenn das nicht bald und effektiv gelingt, laufen wir mit allen anderen Bemühungen, die Energieprobleme in den Griff zu bekommen, der Entwicklung hinterher!
    Man kann das durch Gesetze tun (China), durch höhere Bildung (einige Schwellenländer) oder auch schon durch Verzicht auf die Verteufelung der Geburtenkontrolle (Religion).
  • Es muss auf Energie verzichtet werden (Einspareffekt).
    Dies kann erreicht werden z.B. durch Verteuerung oder auch durch Zuteilung von Energie bzw. Verbote der Nutzung. Mit Sicherheit wird hier manches zu holen sein. Wenn ihr auf diesem Gebiet eure Lösungen diskutiert, solltet ihr euch aber in die Rolle von Politikern versetzen und die politischen und gesellschaftlichen Folgen berücksichtigen.
  • Energie muss besser genutzt werden (Einspareffekt).
    Dazu gehören z.B.
    • höhere Wirkungsgrade (GuD-Kraftwerke arbeiten mit sehr hohen Temperaturen und haben daher eine bessere Energieausnutzung als alte Wärme-KW);
    • niedrigerer Kraftstoffverbrauch, z.B. durch leichtere Bauweise der Kfz,
    • bessere Isolierung von Häusern usw.
    Solche Verbesserungen geschehen selten in großen Sprüngen, aber mit einer gewissen Zwangsläufigkeit, solange wir in einer freien Marktwirtschaft leben (Konkurrenz). Ihre Auswirkung auf die Energiebilanz erfolgt langsam, da diese Entwicklung hauptsächlich Neuinvestitionen betrifft.
  • Und jetzt kommen wir auf den Punkt:
    • Sämtliche möglichen Energiequellen sind zu nutzen (gleichgültig, wie hoch ihr Anteil am Gesamtaufkommen ist):
    • Dürfen wir es uns leisten, auf Kernspaltungsenergie zu verzichten?
    • Können wir auf die Suche nach einer Lösung für die Kernfusion verzichten, bei der wir seit Jahrzehnten fast auf der Stelle treten?
  • Energiearten, die die Umwelt weniger belasten als andere, sind bevorzugt einzusetzen.

Ein Gespräch hierüber ist nur möglich, wenn die Gesprächspartner akzeptieren, dass es keine Art der Energiegewinnung (-erzeugung, -umwandlung) gibt, die nicht neben Vorzügen auch Nachteile hätte.

In meinen nächsten Abschnitten werde ich mich, entsprechend eurem Fragenkatalog, auf die Kernenergie und die Alternativenergien beschränken.

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