| Kaspar-Sickermann |
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Kernenergie, regenerative Energien
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| 06. Jun 07 | ||
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Energiefragen: Start
Energiefragen: Übersicht
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Frage 4: Was halten Sie vom Ausstieg aus der Atomenergie?
(pro/contra) |
2.1 Angst ist ein schlechter Ratgeber"Das Atom war stets freundlich zu mir." Dieser Satz, wenn nicht wörtlich, so doch inhaltlich richtig zitiert, stammt von Max Born aus einem Aufsatz, den er in den späten 50er Jahren geschrieben hat. Dieser Aufsatz, den ich leider nur aus dem Gedächtnis wiedergeben kann, hat mich damals tief beeindruckt. Born schrieb nicht nur über seinen Berufsweg, er schrieb abwägend über den Nutzen der Kerntechnik und ihre Gefahren. Zu jener Zeit waren die Schrecken von Hiroshima und Nagasaki noch frisch in Erinnerung und die Entwicklung und Tests an Bomben ("Atom"bomben und Wasserstoffbomben) waren in vollem Gange. Damals aber gab es auch den Aufbruch in Neuland, den ich als Jungingenieur mit erlebt habe. Die Amerikaner hatten 1955 in Genf auf der Konferenz "Atoms for Peace" physikalische Unterlagen über Wirkungsquerschnitte, über die kritische Masse verschiedener Brennstoff-Moderator-Gitteranordnungen und vieles andere, was aus der Atombombenentwicklung stammte, freigegeben. Damit war der Weg frei für den friedlichen Einsatz der Kernenergie, die als Retter in der drohenden Energieknappheit erschien. Mit der Herkunft aus der Bombenentwicklung hatte die neue, friedliche Kerntechnik allerdings von Anfang an eine schwere Erblast zu tragen. "Das Atom war stets freundlich zu mir", das darf ich auch sagen. Und dieses schriftliche Gespräch mit euch, das ja im Augenblick ein Monolog ist, hat mir klar gemacht, weshalb ich so ganz anders über die Kernkraft denke als viele andere Menschen in Deutschland: Ich bin vertraut im Umgang mit radioaktiven Stoffen. Zwar musste ich nicht mit Kobaltkanonen in Krankenhäusern oder mit abgebrannten Brennelementen aus KKW umgehen, aber manche Tätigkeit verlangte schon besondere Umsicht. Wenn man sich intensiv auf solche Arbeiten vorbereitet, dann ist man äußerst vorsichtig, aber man hat keine Angst. Ein Beispiel dazu werde ich euch im Abschnitt 8 (Strahlenschutz) geben. Ich bin vertraut mit kerntechnischen Anlagen. Für mich ist ein Kontrollbereich keine Schreckenskammer, sondern ein hochinteressanter Arbeitsplatz, in dem besondere Verhaltensweisen gefordert sind. Ich bin also eine Ausnahme. Hätte ich meine Informationen nur aus den Medien, dann hätte ich wahrscheinlich Angst. Und Angst ist es, die vor allem in Deutschland das Verhältnis zur Kerntechnik prägt. Die Schlachten um Castor-Transporte sind beispielhaft. 2.2 Pro Kernkraft (Contra Ausstieg)Vorausgeschickt sei, dass dieses "Pro" nur die Kernkraftwerke betrifft, über deren Abschalten wir hier diskutieren können, nämlich die KKW in Deutschland. Bei einigen der anderen wäre ich durchaus für ein Abschalten (s. Contra Kernkraft) Nach meiner Auffassung ist die Kernenergie eine umweltfreundliche und sichere Energie, zumindest in Deutschland und auch in anderen hochtechnisierten Ländern. 2.2.1 CO2-ReduktionDie "Vereinigten Deutschen Elektrizitätswerke" (VDEW) stellen Zahlenmaterial bezüglich Stromerzeugung bereit.
[Hinweis 2004: Die Internetseiten "Zahlen und Fakten" der VDEW aus den Jahren 1997 und 1998 sind inzwischen archiviert. Kopien davon
befinden sich in meinen eigenen Internetseiten]
Unter der Überschrift "Kernenergie vermeidet CO2" steht, dass alleine in Deutschland im Jahr 1996 die Emission von 163 x 106 t CO2 dadurch vermieden worden ist, dass Kernkraftwerke statt Braunkohle- und Steinkohle-Kraftwerken eingesetzt wurden. Dies ist eine riesige, aber völlig abstrakte Zahl, wie so viele Zahlen, die einem ohne Vergleichswert vor die Nase gesetzt werden (wortwörtlich, denn das CO2 hat sich ja in "Luft aufgelöst"). Ich will versuchen, sie euch in einer groben Schätzung ein bisschen näher zu bringen: Das Molekül CO2 besteht aus 1 Atom Kohlenstoff (relative Atommasse = 12) undDer Anteil des C am gesamten Molekül ist demnach 12/44. Die Ersparnis von 163x106 t CO2 entspricht also 163 x 106 x 12 / 44 t = 44,5 x 106 t Kohlenstoff Da uns das auch noch nicht viel sagt, prüfen wir weiter. Wir wollen großzügig sein und nicht Braunkohle (hoher Asche- und Schwefelanteil) durch Kernkraft ersetzt haben, sondern gute Feinkohle aus dem Ruhrgebiet (ca 8% Asche, 1% Schwefel, bezogen auf das Gewicht). Dies entspricht
Das sind immer noch abstrakte Millionen. Hier kommt eine Vergleichszahl (Internet: Energiearchiv): Die gesamte deutsche Steinkohleförderung betrug im Jahr 1997 50 Millionen t Steinkohle (mit 9 Milliarden DM "Finanzhilfen"). Ich möchte euch mit diesen Abschätzungen dazu anregen, immer selbst quer zu rechnen und Zahlen nicht abstrakt und ohne nachzudenken hinzunehmen, sondern zu prüfen, bis ihr sie inhaltlich versteht! Wenn ihr euch an den Abschnitt 1 erinnert (Energiebedarf, Weltbevölkerung), so kann der Beitrag der Kernenergie an der Reduzierung der CO2-Emissionen nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ach so: Die Hamburger Elektrizitätswerke (HEW) haben vor einigen Jahren beantragt, in unserer Nachbarschaft eine ausgebeutete Sandgrube mit Kraftwerksasche zu verfüllen. Aus Umweltgründen haben sie die Genehmigung nicht bekommen. Soweit ich mich erinnere, war zu viel Schwermetall in der Asche. Eure jetzt fällige Gegenfrage zu den radioaktiven Abfällen beantworte ich im Abschnitt 3. 2.2.2 SicherheitWer "Pro Kernkraft" sagt, muss sich über die Sicherheit von Reaktoren Rechenschaft ablegen. Ich kann endlos über die Sicherheitsfragen diskutieren. Herr Röwekamp hat mich aber dringend gebeten, das Thema nicht zu überfrachten. Lasst mich daher zwei wichtige Gefahren herausgreifen:
2.3 Contra Kernkraft (pro Ausstieg)Die Punkte, die ich als problematisch ansehe, werden seltener in der Öffentlichkeit diskutiert:
2.4 Politik
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| Aussage | Zustimmung in Prozent |
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| weitere Kernkraftwerke bauen | 5 |
| vorhandene Kernkraftwerke nutzen | 72 |
| Kernkraftwerke sofort still legen | 21 |
| weiß nicht | 2 |
| Über 3/4 der Bevölkerung (77 %) sind also mindestens für den Fortbestand der jetzigen Kernkraftwerke bis zum Erreichen der Altersgrenze. Ich kenne keine Umfrage, die eine Interpretation für das sofortige Abschalten erlaubt. | |
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2.5 Da war noch was |
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Frage 5: Halten Sie die Atompolitik von Herrn Trittin für angebracht? Was soll ich darauf antworten? Ich stelle einfach zwei Gegenfragen:
Ich gebe euch trotzdem eine Antwort: Ich bin heilfroh, dass Herr Trittin Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit bleibt, solange dies für die Koalition unbedingt notwendig ist. Damit ist er in die Kabinettsdisziplin eingebunden. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er hätte nach Brüssel ziehen können. |
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